Vermittelt
BrutusSonntag 07.November.2010 18.39

Im November 2007 gelang es uns mit tatkräftiger Hilfe von Kerstin Lenz (Tierschutzverein Demmin) drei Doggen aus elenden Verhältnissen freizukaufen. Zwei Rüden und eine Hündin, stark verwahrlost, stinkend, voller Flöhe und Milben, hinter engen Verschlägen. Die Halterin hatte noch 20 weitere Hunde; zwei Windhunde sind schon vor unserem Eintreffen von Tierschützern gerettet worden. Unsere drei Doggen, BRUTUS, FRANZ und NANE wurden von Frau Lenz aufgenommen. NANE war so schwer behindert, dass sie ins Auto getragen werden musste. Für FRANZ gab es den Glücksfall, dass er ziemlich schnell neue Menschen, die ihn zu sich genommen haben, gefunden hat. Die Hündin NANE (ca zweijährige, wahrscheinliche Vollschwester von BRUTUS) konnte noch einige Tage in engem Menschenkontakt mit Frau Lenz leben. Diese hat sie immer wieder auf das Sofa gehoben, was die Hündin so genossen hat. Doch dann erwiesen sich die Schädigungen der Wirbelsäule als so stark, dass wir NANE einschläfern lassen mussten (mehr zu NANA in der Rubrik „Wir erinnern..).


Die erste Vermittlung von BRUTUS verlief nicht erfolgreich. Kerstin Lenz musste ihn als mageren und psychisch verstörten Hund nach wenigen Monaten zurück nehmen. Wir suchten ein neues Zuhause für ihn mit folgendem Text auf unserer Home Page:
Brutus (siehe unser Notfall-Bericht vom November 2007) sucht immer noch ein bleibendes Zuhause bei doggenerfahrenen Menschen, die mit ihm leben wollen. Brutus ist ein zweijähriger kastrierter Rüde, ängstlich und sozial unsicher gegenüber Menschen (vor allem Männern) und anderen Hunden. Er braucht ein sicheres Zuhause mit engem Menschenkontakt und Erziehung mit vielen Möglichkeiten zum Lernen. „Seine“ Menschen müssen bereit sein zu akzeptieren, dass er ihnen zunächst überall hin folgt aus Angst wieder alles, was er dringend braucht, zu verlieren. Für diesen Hund gab es keine Kindheit, er muss jetzt so viel nachholen. Natürlich benötigt Brutus auch Grenzen (auf dem Hintergrund von Vertrauen und Beziehung), um seine soziale Position in einer Menschenwelt und in der Begegnung mit anderen Hunden zu finden. Wer fühlt sich angesprochen? Notfalls würde auch eine Pflegestelle helfen.
Kontakt: Eva B.-Gorski, Doggen-Nothilfe, Tel.: 04302-1813
Kerstin Lenz, Tierschutz Demmin, Tel.: 03998-201826


Dann meldete sich Frau B. telefonisch bei mir und wir hatten viele sehr ausführliche Gespräche miteinander. Im Oktober 2008 war es endlich so weit, dass Frau B. BRUTUS kennen lernen konnte. Über diese Erstbegegnung hat sie uns folgendes berichtet:
Hallo Frau Gorski!
Wie versprochen: unser Leben mit Brutus Nachdem ich an einem Sonntag auf Ihre Internetseite geschaut habe und die Geschichte von Brutus gelesen habe, wusste ich eines. diesem Hund wollte ich ein neues Zuhause geben. Ich rief Sie an und Sie reagierten sehr freundlich aber auch zurückhaltend, was ja zu verstehen ist. Sie leiteten mich weiter zur Frau Lenz, in deren Obhut sich Brutus befand. Auch Sie sehr sehr nett aber zurückhaltend. Auch das verstehe ich jetzt. Ich bin ein sehr impulsiver und spontaner Mensch und ich wäre am liebsten ins Auto gesprungen und die knapp 800 km nach Demmin gefahren, aber Sie haben mich gestoppt. Erst musste ich mich einem Kontrollbesuch eines ebenso netten Herrchens mit einem noch netteren Doggenrüden namens Bismarck unterziehen. Gott sei Dank wird dieses so gehandhabt, denn eine Dogge ist kein Schoßhündchen, braucht viel Platz und vor allem viel viel Liebe und Zuneigung, aber das alles war ich ja bereit zu geben. Aber zuerst musste ich meinen gebuchten Urlaub absolvieren um anschließend endlich nach Demmin fahren zu können. Auch gut! Gesagt getan. Es war Liebe auf den ersten Blick. Er schmusste sich direkt total ergeben an mich ran und folgte mir direkt. Er mochte mich auch, juchhu!!!!!!!!! Eine Hotelübernachtung noch ohne Ihn. Am nächsten Morgen war es dann endlich soweit, nachdem ich Schutzvertrag usw unterschrieben hatte. M e i n Hund stieg in mein Auto und wir fuhren die lange Strecke nach Hause, in sein letztes zuhause, das ist ganz sicher, denn was sich einmal unter meinen Gluckenflügeln befindet wird nicht mehr ausgelassen. Also auf, er war so brav und machte keinerlei Zicken. Zu Hause warteten mein Mann und 3 Hundedamen ( LOLA, PAULA und CHEYENNE ). Er kam, wurde gesehen und siegte auf der ganzen Linie. Auch unsere 4 Katzen beschnupperten ihn bewundernd. Mensch war ich froh! Mein Mann war auch sehr glücklich, das Brutus ihn nicht überragte. Er verfolgt mich seitdem auf Schritt und Tritt, eine Leine brauche ich nicht, er ist immer und ü b e r a l l an meiner Seite. Anfängliche Schwierigkeiten wie das runtergehen auf einer Treppe stellen kein Problem mehr dar. Seine Fressanfälle kein Problem, sei Ihm gegönnt. Wenn ich Ihn einmal alleine lasse, höchstens für eine Stunde betätigt er sich als Angstschisser, kein Problem irgendwann weiß er , dass er nicht alleine gelassen oder zurückgebracht wird. Er ist leidenschaftlicher Autofahrer, verträgt sich nachdem ich ihm erkläre wer oder was da auf ihn zukommt, mit allen. Wenn er mal murmelt, kriegt er einen Klapps, wenn er Essen klaut lob ich Ihn nicht, aber er versteht sowie so alles sehr schnell und ist sehr intelligent, dann tut er auch das nicht mehr. Er spielt und tobt mit den anderen und wirkt jetzt schon sehr selbstbewusst. Wir gehen in die Hundeschule, dass macht uns beiden Spaß, er kann zwar sitz, Platz usw aber schaden kann es ja nicht. Ich möchte diesem Hund so viel als möglich bieten, damit er Freude am Leben findet. Er macht auch viel Arbeit, steht überall im Wege, aber das alles wusste ich vorher und wir lieben Ihn .Ich kann nur an jeden appellieren der dieses hier liest, wenn er sich einen solchen Hund in sein Haus holt, ist dies eine große Verantwortung, das ist kein Möbelstück, was ich umtauschen kann, hier geht es ums ,, bis das der Tod uns scheidet,,!
Liebe Grüße von G. B.


Mich hat diese Schilderung von den ersten Tagen in BRUTUS neuem Zuhause sehr angerührt und ich stellte folgende Nachricht auf unsere Home Page:
Unser BRUTUS hat zum ersten Mal in seinem Leben ein liebevolles und sicheres Zuhause
In den vergangenen Monaten hatten wir – das Team der Doggen-Nothilfe- junge Doggen-Rüden, die bisher nur im Zwinger leben mussten an Menschen vermittelt, mit denen ausführlich darüber gesprochen wurde, welche Schwierigkeiten mit diesen neuen Familienmitgliedern zunächst auftreten würden und wie groß der Einsatz an Zeit, an Zuwendung und Erziehung sein müsse. Trotzdem kamen alle von uns vermittelten jungen Rüden zurück, darunter auch Brutus. Dann gab es den Kontakt zu Frau B., die Brutus bei sich aufnehmen wollte. Als Frau B.den jungen Rüden von Frau Lenz abholte, warteten wir in den ersten Tagen auf die Mitteilung von ihr, wir sollten unseren Hund wieder zurückholen. Aber entgegen allen unseren Erwartungen blieb es ruhig. Etwas später rief ich bei Frau B. an und sie erzählte mir, dass sie diesen Hund nie wieder hergeben würde. Er sei immer an ihrer Seite, teilweise ohne Leine und sie besuche mit ihm eine Hundeschule. Nur wenn er für kurze Zeit allein bleiben müsse, sei er ein „Angstschisser“ (Er kotet wirklich ein). Welch eine menschliche Größe steckt hinter dieser Aussage! : Frau Bocklet kann das Verhalten dieses Hundes verstehen als Ausdruck von Angst, existenzieller Angst, wieder allein gelassen zu werden. Viele andere Menschen hätten uns den Hund zurückgegeben mit der Begründung, er sei unsauber. Brutus gehörte zu den „Drei Notfällen“ (Nane, Franz und Brutus). Alle diese Hunde sind vermutlich geschlagen worden und haben, als wir sie befreien konnten, in fensterlosen Räumen gelebt.


Ich bekunde Frau B. ausdrücklich meinen Respekt und meine Dankbarkeit dafür, dass sie Brutus ein sicheres Zuhause gibt. Liebe Frau B., ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie mit Brutus und den anderen Tieren ein zufriedenes und ereignisreiches Zusammenleben. Eva B.-Gorski November 2008
Bei der Durchsicht der Unterlagen über vermittelte Doggen fielen mir wieder die Texte um BRUTUS in die Hände. Ich schrieb an Frau B. und bat um Rückmeldung, wie es ihr und BRUTUS bisher ergangen sei. Hier auszugsweise ihre Antwort:
Hallo Frau Bergemann-Gorski, freut mich, wieder mal von Ihnen zu hören. ….. Brutus: ist der größte Schatz überhaupt. Er hat sich zu einem stattlichen, sehr selbstbewussten Rüden entwickelt.


Ich bin mir sicher, dass er weiß...ich bin angekommen.....Er kann mittlerweile auch mal alleine bleiben, er bleibt liegen, wenn wir aufstehen, er schmust mit jedem und allem, angefangen von unseren anderen Hunden, über Katzen, Kaninchen, alle Zweibeiner sowieso. Er hört auf´s Wort, geht wahnsinnig gerne spazieren, tobt mit seinen Freunden über´s Feld, einfach ein super toller Kerl. Natürlich total verwöhnt, die Unterlagen können gar nicht weich genug sein auf denen er liegt, am liebsten ganz nah angekuschelt in Mama´s Bett. Super gerne ist er natürlich am Ostsee Hundestrand, dort kann er sich wunderbar und stundenlang zum schnüffeln und spielen aufhalten.


Also, wir könnten uns ein Leben ohne Brutus überhaupt nicht mehr vorstellen und hoffen inbrünstig,dass er uns noch sehr lange erhalten bleibt. Er ist noch putzmunter, nur mit seinem Auge sind wir natürlich in Dauerbehandlung, aber noch sieht er ganz gut und wir brauchen nur tägliche besondere Pflege, es tränt sehr stark, und Salbe. Das war´s. Ich hoffe, dass es Ihnen persönlich und allen Mitarbeitern, insbesondere Ihrer Orga gut geht und sie weiterhin diesen tollen Tieren helfen. Ganz liebe Grüße und nochmals vielen Dank , dass wir Brutus kennen lernen durften.
G. B. August 2010


by Lydia Muus E-Mail        

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