Erinnerungen
Beginn der Doggen-NothilfeMontag 22.November.2010 18.35

Erinnerung an meine Doggen BORJA und JESSICA und den Beginn der Doggen-Nothilfe.


Teile dieses Textes schrieb ich 1986 und wandte mich damit an den DDC, also den Zuchtverband, der die Doggenzüchter von denen ich bis dahin meine Welpen gekauft hatte, betreute. Jedenfalls war ich zu der Zeit noch in dem guten Glauben, dass es eine derartige Betreuung gäbe und entsprechend Ansprechpartner, um Missstände in der Doggenhaltung zu verändern. Heute weiß ich, dass es in diesem Zuchtverband keine wirkliche Bereitschaft zur Veränderung gibt.
Die entscheidenden Anstöße für mich waren damals für mich die Erfahrungen und das Miterleben des Ausmaßes an Frühsterblichkeit und Frühinvalididät der Doggen, die mit mir lebten. Wenige Jahre später hatte ich die unmittelbare Anschauung des schier unermessliche Elends der Lebensbedingungen vieler Doggen in den mir erstmals zugänglichen Bundesländern Mecklenburg-V. und Brandenburg. Inzwischen habe ich längst erkannt, dass die Lebensbedingungen für Doggen, besonders für die armen „Zuchthündinnen“, in den Vermehrungsbetrieben des DDC wie auch bei den sogenannten „Schwarzzüchtern“ in Westdeutschland ( und überal genau so schlimm sind. Mein Text an den Zuchtleiter de DDC: (Auszüge)
„Von 1972 ab gab es fünf Doggen in meinem Leben, alle mit DDC Papieren. Keiner dieser Hunde war auch nur annähernd gesund. Schwere und schwerste Gelenkstörungen haben eine lebenslange medizinische Behandlung notwendig gemacht und die Lebensqualität dieser Hunde und damit auch die meine stark beeinträchtigt. Die Liste der Erkrankungen ist lang:
Herzinsuffizienz, Knochenkrebs, schwere Kniegelenk-, Ellenbogen- und Schultergelenkschäden, sowie HD und Wirbelsäulenerkrankungen. Bei meinem im letzten Jahr gestorbenen BORJA, der nur sieben Jahre alt werden durfte, mussten schon am Ende des ersten Lebensjahres fast alle großen Gelenke (Ellenbogen, Schulter, Knie) operiert werden, ohne bleibenden Erfolg.
Ich habe immer noch die vielleicht naive Vorstellung, dass eine Dogge nicht nur einige Runden im Ausstellungsring schmerzfrei traben können sollte, sondern auch in Lage sein sollte, regelmäßig ausgedehnte Wanderungen zu bewältigen. Und das noch über das Alter von sechs Jahren hinaus (wenn sie dann überhaupt noch lebt) . . .
Schon 1986 hatte ich aus meiner Betroffenheit und Wut heraus angesichts dieses Ausmaßes an Frühinvalidität und Frühsterblichkeit der Doggen, was ja alle Züchter einschließlich des Zuchtverbandes wissen müssen, einen entsprechenden Leserbrief in der Zeitschrift von Herrn Schumacher. Mich riefen viele verzweifelte Menschen an und erzählten mir von Doggen, die schon im Alter von drei und vier Jahren gestorben sind. Es wurde von Deckrüden berichtet, die im Alter von zwei Jahren kaum noch laufen konnten wegen ihrer Gelenkschäden und weiterhin ihr genetisches Material an eine neue Doggengeneration weitergeben.
Einige dieser Menschen haben sich dann gesünderen Hunderassen zugewandt, andere aber leiden weiter mit ihren Doggen, weil sie, wie auch ich, nicht von diesen Hunden loskommen. Ich habe versucht, mich anderen Hunderassen zuzuwenden, aber ich habe es nicht geschafft, ich bin diesen Doggen verfallen. Was habe ich mit meinen kranken Hunden gelitten, habe Fachärzte in ganz Deutschland und im benachbarten Ausland konsultiert – und ich habe immer noch Doggen.
Doch mein lebenslang kranker BORJA, sein früher Tod 1997, nachdem ich die vielen vielen Kämpfe um sein Leben verloren hatte und die JESSICA, die mir noch zu Borjas Lebzeiten begegnete (von der ich berichten werde) haben mir ein Vermächtnis als Auftrag hinterlassen: Verantwortung zu übernehmen für die Doggen, die keiner haben will, die in Käfigen, dunklen Ställen, Kellern und Abstellräumen leben müssen, ohne soziale Kontakte, ohne Bewegung und meist noch hungernd und frierend.
Eine dieser geschundenen Doggen, die mir auf diesem Weg begegneten, ist JESSICA. Diese DDR-Hündin hat alles, was in der westdeutschen Zucht unerwünscht ist: sie ist klein mit schmalem Kopf und auch noch ein Grautiger. In der Kastrationsnarkose ließ ich alle großen Gelenke röntgen: es ist die erste Dogge seit 26 Jahren, die keine Gelenkschäden aufweist.“
Das Doggen-Nothilfe-Logo ist ihr gewidmet.


In einem Tätigkeitsbericht habe ich 2005 in der Rückschau über JESSICA geschrieben:


Jessica 10 Jahre alt
„Vor neun Jahren habe ich sie als zweijährige Hündin aus einem Käfig (ca. 4qm Betonboden -mit einer Luke in einer Steinwand, hinter der es wohl ein Loch zum Liegen gab, kalt und hart und völlig dunke freikaufen können.
Es gab ein wochenlanges Bangen und Hoffen, ob es gelingen würde, sie dort herauszuholen. Dann –ganz unerwartet – wurde sie mir zum Kauf angeboten, da man sie sowieso nicht mehr haben wolle, denn sie sei kein Wachhund. Ich durfte JESSICA erstmals aus der Nähe sehen. Sie stand hoch aufgerichtet am Drahtgitter – wie so viele Doggen danach – und bettelte gestreichelt und raus gelassen zu werden. Dann wurde die Käfigtüre geöffnet und eine kleine magere Grautigerhündin kam zu mir und ließ sich streicheln, lief dann aber schnell in eine benachbarte Stallkammer, um sich gierig und zitternd vor Erregung auf die noch viel zu heißen Pellkartoffeln zu stürzen, die ihre Hauptnahrung waren.
An den Ellenbogen dicke Liegeschwielen, die Rute voller verhornter Druckstellen und blutig gescheuerte Sitzhöcker, da sie immer auf dem blanken Betonboden saß, um wenigstens etwas draußen von der Welt durch das Gitter hindurch sehen zu können.“ Ich habe den verlangten (überhöhten) Kaufpreis zugesagt und durfte sie drei Tage später aus Brandenburg nach Schleswig-Holstein holen.
Entgegen allen meinen bisherigen Überlegungen habe ich die JESSY dann doch zu meinen zwei Dogen zu uns nach Hause genommen. Wochen später habe ich in meinen Aufzeichnungen notiert:
„JESSY ist mein Hund geworden, lebendig und neugierig, aktiv und kuschelig. Sie lebt ihr Leben mit einer anrührenden Intensität. Wenn sie traurig ist, scheint die Welt für sie unterzugehen und in ihrer Freude ist sie ein jubelnder lachender Hund. Es ist als ob sie jeden Tag von Neuem dieses Leben, das ihr so herrlich erscheinen muss, mit ihren geliebten Grautigerpfoten ergreift und festhält, um nichts zu verpassen. Als sie in den Sommertagen so oft vom wilden Hundespiel mit PABLO und KALINA auf der Koppel in den Garten zurückgerannt kam, mit diesem lachenden Hundegesicht und hängender Zunge und sich in den kleinen Teich stürzte und dann in meine Arme. Welch ein Glück!“
Weiter schrieb ich damals 2006 „viele Jahre sind seitdem vergangen, Pablo und Kalina haben uns für immer verlassen. . . .Die elfjährige JESSY ist immer noch eine aktive und neugierige Hündin . . . immer noch will sie überall dabei sein mit diesem fast unstillbaren Bedürfnis nach Zuwendung. Sie steigt noch fast mühelos ins Auto und die Treppen im Haus. Die Spaziergänge sind kürzer geworden und das Renntempo auf der Koppel verhaltener. Ein Besuch bei einem Kardiologen vor einigen Wochen hat ergeben, dass ihr Hundeherz vollständig gesund ist. Vielleicht darf sie noch einige Zeit bei uns bleiben.“


JESSICA ist (in ihrem zwölften Lebensjahr) im Januar 2007 in meinen Armen gestorben.


Die Doggen-Nothilfe bleibt das Vermächtnis von BORJA und JESSICA. Und beide Hunde leben auf unterschiedlichste Weise in all meinen Doggen, die mich begleiten, weiter.
Eva Gorski November 2010


by Lydia Muus E-Mail        

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