Erinnerungen
Petja ist totMontag 13.Dezember.2010 19.17

Wir haben in vierzehn langen Tagen und Nächten um Petjas Leben  gekämpft und wir haben verloren. Wir haben diesen Kampf aufgenommen, wir zwei immer wieder hoffende Menschen zu denen Petja gehörte, eine tapfere Dogge und ein großartiges Team einer Tierklinik, davon will ich berichten:


Petja war ein wunderschöner, lebendiger und lernbegieriger, kuscheliger und agiler Doggenrüde von gerade 11 Monaten.


 


Es begann mit anfangs milden Symptomen wie Räuspern, leichter Husten. Zunächst wurde Zwingerhusten ausgeschlossen und es war von einer Infektion der oberen Atemwege die Rede. Doch die zur Stärkung des Immunsystems eingesetzten Medikamente brachten keine Besserung. Wenige Tage später ein weißer Nasenausfluss und viel Auswurf beim Husten. Schnell hinzu kam eine ausgeprägte Mattigkeit unseres sonst so lebendigen Hundes. Eine Röntgenaufnahme brachte das Ergebnis einer schweren Lungenentzündung. Petja schlief fast den ganzen Tag und verweigerte Essen und Trinken. Immer deutlicher wurden die lauten Atemgeräusche. Immer noch als inneres Bild in mir: Petjas hochgereckter Kopf um möglichst viel Sauerstoff zu bekommen, dieses geliebte Hundegesicht mit seinen dunklen Augen und langen Ohren mit diesem Ausdruck von Hilflosigkeit.


 


Die Infusionen (Antibiotika, Glukose u.a.) liefen stundenlang den ganzen Tag über in der Klinik. Ein weiteres Röntgenbild und eine Ultraschallaufnahme ergab eine erneute Verschlechterung. Grosse Teile der Lunge waren irreversibel geschädigt.


 


 


 


 


 


 


Wir waren anfangs tagsüber und dann in den letzten Tagen auch nachts mit ihm in der Klinik. Es wurde uns ein separater Raum zur Verfügung gestellt, den wir mit unseren Matratzen und Kissen und Decken auslegen konnten. Wir konnten jederzeit tags und nachts einen Arzt/Ärztin innerhalb von Minuten heranrufen und die hilfsbereiten fachkundigen Pflegerinnen haben unzählige Male die Kanüle durchgespült, die Infusionen überwacht und den Petja  immer wieder an die Schlauchsystem an – und abgekoppelt, damit er kurz zum Pipimachen rausgehen konnte.


In den letzten drei Tagen sank unsere Hoffnung immer mehr, den Petja am Leben zu erhalten. Dennoch, wir bekamen eine Sauerstoff-Flasche mit einem langen Schlauch, den wir vor die Hundenase halten konnten und der Klinikleiter brachte von zuhause ein Inhalationsgerät seines kleinen Sohnes. Und unser Petja musste die vernebelten Antibiotika einatmen. Es waren letzte verzweifelte Versuche, doch noch eine Wende einzuleiten.


 


Zwei Tage vor Petjas Tod gab es eine so entsetzliche Nacht mit schweren Atmungsstörungen trotz fast ständiger Sauerstoffzufuhr. Die heran gerufene Ärztin war lange bei uns, spritzte weitere Medikamente zur Atmungserleichterung und Diazepam. Wir konnten uns noch nicht entschließen, unseren Hund zu töten. Am Morgen trat eine leichte Besserung ein, zum ersten Mal seit Tagen nahm Petja ein kleines Stück von meinem trockenen Dinkelkuchen und seine Augen hatten ein wenig neuen Lebensmut. Noch einmal durften wir nachmittags einige Stunden mit unserem Hundekind nachhause fahren. Ins Auto konnte er nur noch über die Einstiegshilfe, die er aus seiner Welpenzeit kannte, steigen. Er trug wie immer in den letzten Tagen, die Kanüle in der Vene mit dem roten Verband um die Pfote. Zuhause legte er sich auf unser Sofa und schlief, der Garten interessierte ihn nicht mehr. Am späten Nachmittag fuhren wir in die Klinik zurück. Noch einmal liefen stundenlang die Infusionen. Fast ständig hielten wir den geöffneten Sauerstoffschlauch vor seine Nase, aber sein Atem wurde immer mühsamer. Mein Ohr an seinem mageren Körper hörte einen entsetzlichen Blasebalgton, der nicht mehr beeinflussbar schien. Um Mitternacht riefen wir die Ärztin, um ihm die tödliche Injektion zu geben.


 


 


 


 


 


 


 


 


 


 


Alle beteiligten Ärzte (und es wurden mehrfach andere Fachärzte zur Beratung herangezogen) betonen, dass es sich bei Petja um eine sehr schwere Lungenentzündung gehandelt habe durch die schnell große Teile der Lunge irreversibel geschädigt waren. Möglicherweise hat eine vorhandene Immunschwäche diesen tödlichen Verlauf begünstigt. Der anfängliche Verdacht auf einen Tumor ließ sich nicht bestätigen.Labore konnten schon am  dritten Krankheitstag keine Keime nachweisen. Wahrscheinlich waren diese zu diesem Zeitpunkt schon durch die hohen Antibiotikagaben vernichtet.


 


Das gesamte Klinikteam hat mit uns - meiner Lebenspartnerin und mir- um das Überleben unseres Hundes gekämpft. Und Petja selbst, der bis dahin ein eher schwieriger Hund in bezug auf tierärztliche Behandlungen war, war ein unendlich geduldiger und kooperativer Hund, ein starkes Hundekind, das mit uns um sein Leben kämpfte. Wir haben verloren.


 


Aber wir haben die Erfahrung gemacht, dass es eine Tierklinik , in meiner Nähe, gibt, die nicht nur einen 24-stündigen Notdienst aufrechterhält, sondern in der ein Klinik-Team tätig ist, mit Menschen ,die akzeptieren, dass ein kranker Hund nicht noch zusätzlich dadurch gestresst werden muss, dass seine Menschen ihn in Stich lassen d.h. „stationär“ abgeben. Dieser unser Wunsch, ständig bei unserem kranken Hund zu sein, wurde nicht nur akzeptiert, sondern intensiv unterstützt.


 


Wir bekunden unsere Anerkennung für diese in dieser Klinik erlebte seltene Kombination von Engagement, fachlicher Kompetenz, Empathie und Verständnis für eine enge Hunde-Mensch-Beziehung. Ein herzliches Dankeschön.


 


Mit uns lebt jetzt die junge Doggenhündin NORA und in ihr leben all die anderen Doggen, mit denen ich Wegstrecken meines Lebens zusammen sein durfte, weiter. Auch derPetja ist in ihr noch viel bei uns.


 


Das ist die Klinik: Tierklinik Wahlstedt,


                              Wiesenweg 2 -.8


                              23812 Wahlstedt,


                              Tel. 04554-2227


Eva Gorski – Doggen-Nothilfe


                                                     Oktober 2007


by Lydia Muus E-Mail        

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