Erinnerungen
Doggen DramaDonnerstag 30.Dezember.2010 21.21

Doggen-Drama


 




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Bohling-Zwinger  im Kreis Diepholz (1999)


Ich erinnere an die Doggen  des Bohling-Zwingers vor über zehn Jahren. 


Diese Erlebnisse und Erfahrungen dort haben mein Denken und meine Handlungsbereitschaft  nachhaltig  geprägt, ich wurde in Wut und Verzweiflung gestürzt, aber daraus entstand immer von Neuem Mut und Kraft, um Doggen, die ich so sehr liebe, aus elenden Lebensbedingungen zu holen.


So gilt diese Erinnerung den Doggen, die ich dort gesehen, gefühlt und gestreichelt, die ich mit ins Freie getragen habe und in mein Auto legen konnte. Noch heute bin ich beindruckt von dem Überlebenswillen dieser Hunde. Auch dieses Wissen bleibt ein Geschenk, das unzerstörbar ist.


Diese Erinnerung ist aber auch gedacht für die vielen Doggen fern von diesem Diepholz. Für die Doggen, die irgendwo im physischen und psychischen Elend leben müssen, weil Menschen es so mitleidslos geschehen lassen. Es ist eine Erinnerung an unsere nie endende Schuld, immer zu wenig getan zu haben.


Gedacht ist diese Erinnerung aber auch als eine Hommage an die Menschen, die damals nicht vor dem Elend weggelaufen sind und laut geklagt haben, die ihren Blick nicht abwandten, sondern aktiv tätig wurden. Auch heute weiß ich von diesen Menschen unter uns und ich bin dankbar, dass es sie gibt.


Die folgenden Texte stammen aus den Tätigkeitsberichten 2000 und 2001 der Doggen-Nothilfe


„Dann brach dieses Hundeelend im Vermehrungsbetrieb eines ehemaligen Doggenzüchters in Niedersachsen über mich herein. Erst spät habe ich davon erfahren, zu einem Zeitpunkt, als andere private Tierschützer dort schon unermüdlich tätig waren, um Doggen aus dieser Hölle freizukaufen. Vertreter von Veterinärbehörden und staatlichem Tierschutz blieben untätig, obwohl das Elend dort sei Jahren bekannt (und aktenkundig) war. Mindestens 150 Doggen in engen Käfigen, teilweise ohne Tageslicht, in einer dicken Schicht aus Kot und Urin stehend, abgemagert, voller Bißverletzungen und blutig gekratzt. Ausgemergelte Mutterhündinnen mit zehn und mehr Welpen mit schweren Entwicklungsdefiziten.


Bei ersten Mal kauften Freunde von mir INKA und CARLO frei. Inka, eine kleine verhungerte schwarze Hündin, höchstens zwei Jahre alt. Durch viele Trächtigkeiten gezeichnet, wahrscheinlich wurde sie schon bei der ersten Läufigkeit (mit ca. 9 Monaten) belegt, sie ist dann nicht mehr weiter gewachsen. Inka war voller Bißverletzungen, voller Flöhe und kahler Stellen im glanzlosen Fell, entzündete Augen und Milben in den Ohren. Die Hündin war tagelang völlig erschöpft, musste immer wieder getragen werden. Bei Annäherung eines Menschen dieses Kriechen auf dem Boden, als wolle sie sich noch kleiner machen. Inka hat Menschen gefunden, die sie zunächst als Pflegehund aufgenommen und jetzt adoptiert haben (10/99).



Dann CARLO, er war zusammen mit fünf weiteren Doggen ähnlichen Alters in einem etwa 9m2 kleinen Käfig eingesperrt. Die Hunde versuchten in dem Schlamm aus Kot und Urin eine trockene Stelle zu finden, um die Pfoten darauf zu setzen. Sein ganzes bisheriges Leben hatte Carlo so gelebt. Er und alle weiteren Hunde hatten nie ihren Käfig verlassen, waren namenlos, kannten kein Halsband und keine Leine und keinerlei Umwelt, außer diesen Gefängnissen in Dreck und Enge und Hunger. Er musste ins Auto getragen werden, da er außerhalb des Käfigs nur auf dem Boden kroch und sich in eine Ecke verkriechen wollte.


Dann hole ich ELSA und MAJA, auch sie in einem Käfig innerhalb eines Stalles. Auch sie mussten ins Auto getragen werden. Elsa war im Auto bei der mehrstündigen Fahrt ganz ruhig, ich hielt dies zunächst für ein Zeichen ihrer Gelassenheit. Erst später habe ich begriffen, dass Elsa, eine gelbe Hündin, ca. 18 Monate jung, völlig in Angst erstarrt war. Maja, eine schwarze ca. 2-jährige Hündin, bellte aus dem Auto heraus alle Bäume, Häuser und Autos an, so etwas hatte sie noch nie gesehen. Beide Hündinnen mussten aus dem Auto in die Tierpension, in der sie zunächst aufgenommen wurden, getragen werden. Elsa hat drei Tage lang auf ihrer Matratze gelegen ohne einmal aufzustehen, sie hat keine Nahrung zu sich genommen und auf ihr Lager gepieschert. Dann stand sie ab und zu auf, wenn keine Menschen in der Nähe waren, traute sich aber tagelang noch nicht, durch eine ständig offene Tür den Auslauf mit Sandboden zu betreten. Manchmal stand sie an der Tür, wagte aber nicht den Schritt hinaus. Sie zitterte am ganzen Körper, wenn sich ein Mensch näherte, schien aber doch ein sanftes Streicheln zu genießen. Nach Tagen hörte das Zittern auf, Elsa begann etwas zu essen, wenn sie ohne Menschen im Raum war. Nach einer Woche betrat sie den Auslauf zusammen mit den anderen Doggen.


Für Elsa haben sich Menschen gefunden, die sie adoptiert haben, die sehr bewusst bereit sind, das notwendige Ausmaß an Geduld und Zuwendung einzusetzen, um mit dieser Hündin zusammenzuleben.


Dann sah ich MIMI, verhungert, fast ohne Fell, nur am Kopf war sie noch als schwarze Dogge erkennbar, blutig zerbissen und zerkratzt am ganzen Körper, mit einem Blick von unendlicher Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Ich konnte Mimi, und dazu die ebenfalls abgemagerte und extrem verstörte schwarze RUNA, beide höchstens 2 Jahre alt, kaufen. Beide Hunde ließen sich in ihrem Käfig nicht einfangen, das Anlegen der Halsbänder war wie das Einfangen wilder menschenscheuer Tiere. Sie verkrochen sich an alle verfügbaren Ecken und Winkel, begannen sich in Panik gegenseitig zu beißen. Letztlich mussten beide Hündinnen mit zugebundener Schnauze in mein Auto getragen werden. Dort beruhigten sie sich etwas während der stundenlangen Fahrt. Sie verließen das Auto nicht freiwillig, mussten wieder in die Tierpension getragen werden.



Wenige Tage später holte ich noch die junge gelbe FLAVIA, auch sie gänzlich verhungert und verstört. Inzwischen sind 6 Doggen (5 Hündinnen und 1 Rüde) zusammen in dem Doggenzimmer mit Auslauf, keine Aggressionen untereinander.




Elsa, Maja, Runa und Inka, alle sind in einem liebevollen und verständnisvollen Zuhause in wenigen Tagen (Wochen) fast stubenrein geworden, wenn sie jederzeit ins Freie können; sie gehen neben ihren Menschen an der Leine, schlafen auf ihren Hundematratzen neben ihren Menschen und lernen immer mehr, an der Menschwelt teilzunehmen. Wie tief die psychischen Verletzungen sind und welche Narben letztlich zurückbleiben, wissen wir noch nicht. Aber welch eine bewundernswerte Leistung dieser Doggen, welch ein Triumph von Lebenswillen, Anpassungsfähigkeit, Lernvermögen und Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit zu Menschen (auch ein Indikator für ihre Entwicklungshöhe).


 


Es war, als hätten diese geschundenen Doggen nur gewartet in all ihrem Elend, dass irgendwann dieser Traum, neben einem geliebten Menschen gehen und mit in seiner Menschenwelt leben zu dürfen, erfüllt würde.


 


In einem Käfig fast ohne Tageslicht sah ich eine Dogge, die ich wegen der Dunkelheit nicht richtig erkennen konnte. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass LIVIA (sie hatte als einzige, der von mir freigekauften Doggen einen Namen) an Krebs erkrankt sei. Ich fand eine aktive Tierschützerin, die Livia in ihr Haus aufnehmen wollte, trotz oder gerade wegen ihrer schweren Erkrankung. Als Livia aus der Dunkelheit herausgeholt wurde, ging sie aufrecht an der Leine und freudig mit ins Auto. Sie war verhungert und ungepflegt, aber wirkte nicht körperlich krank. Diese Hündin soll früher mit auf Hundeausstellungen gewesen sein. Livia ist von der ersten Minute an glücklich in ihrem neuen Zuhause gewesen.


Schlimmer als diese abgemagerten großen Hundekörper, als die zerkratzte und zerbissene Doggenhaut, als das schuppige Fell und die Liegeschwielen ist die psychische Verstörung dieser Doggen. Sie kriechen auf dem Boden, versuchen panikartig unter Regalen und zwischen Möbeln oder Kisten Schutz zu suchen. Sie stehen zitternd in den Ecken von Räumen mit dieser Verzweiflung im Blick. Doch dann, wenn ein Mensch neben ihnen sitzt, sie behutsam streichelt, taucht etwas Hoffnung in ihnen auf. Elsa begann dann fast unmerklich die Schwanzspitze zu bewegen.


Alle diese Hunde haben in meiner Wahrnehmung nichts von ihrer Schönheit und ihrer Würde verloren. Ich habe in den letzten Jahren mit vielen dieser geschundenen Doggen (manchmal waren es zwei) tausende von Kilometern in meinem Auto zurückgelegt. Niemals hat einer dieser Hunde auch nur einen Hauch von Aggressivität mir gegenüber gezeigt. Alle haben mein Auto als Ort der Sicherheit und Zuflucht lieben gelernt und das ist so geblieben.


Mit der häufig zu hörenden Aussage von Vertretern staatlicher Behörden, dass eine Anzeige beim Veterinäramt in einem Fall tierquälerischer Hundehaltung die einzige richtige Vorgehensweise sei, werden viele ahnungslose Mitbürger in die Irre geführt (und ruhig gehalten).


Das ist definitiv nicht der Fall. Wir, die wir seit Jahren aktiv im Tierschutz tätig sind, wissen dies aus unzähligen Erfahrungen und wir zerbrechen fast daran. Von Veterinärbehörden erfolgt regelmäßig nach einer Anzeige der Hinweis, dass die gesetzlichen Grundlagen nicht ausreichen seien, um tätig zu werden. In diesem konkreten Falle in Niedersachsen ist es durch einen umfangreichen Schriftverkehr belegt, dass seit Jahren diese Missstände bekannt sind, und dass seit Dezember 1998 Anzeigen mit detaillierten Schilderungen bei der Veterinärbehörde vorliegen. Es ist in all diesen Monaten nichts zur Verbesserung der Lebenssituation der Hunde getan worden. Wir wissen nicht, wie viele Hunde in dieser Zeit elendig gestorben sind. Es ist nicht so, dass die Alternative zum Freikauf eine Anzeige bei der Veterinärbehörde ist, mit der Hoffnung, dass hier irgendetwas Hilfreiches für die Hunde geschieht. Es ist vielmehr so, dass dieses Ausmaß an Untätigkeit, an Unengagiertheit und teilweise auch Ahnungslosigkeit mich und auch andere fast zum Verzweifeln bringt. Natürlich ist Freikauf keine grundsätzliche Lösung dieses und vergleichbarer Probleme, aber es wird damit mindestens erreicht, dass einige wenige Hunde aus dieser Qual befreit werden.


Veterinärbehörden werden wohl tätig, wenn ein Tier halb tot ist oder Hygienevorschriften grob verletzt werden (wobei in diesem Falle nicht einmal das zu einer Veränderung der Situation führte). Es werden Quadratmeterflächen von Zwingern berechnet, aber die Psyche der Hunde kommt hier nicht vor. Trotz sicher unbefriedigender gesetzlicher Vorgaben, die aber alle auch ein Ermessensspielraum beinhalten, wäre mit etwas mehr Engagement, mit mehr Sachkunde und vor allem mit einem Hauch von Zivilcourage sicher einiges mehr zu erreichen.


Wir sind nicht die durchgeknallten Frauen, die ein bis zwei Hunde freikaufen und dies dann der Öffentlichkeit präsentieren, vielleicht noch zur Selbstdarstellung. Uns sitzt das blanke Entsetzen und Verzweiflung im Nacken angesichts dieses und anderen Tierelends bei gleichzeitiger weitgehender Untätigkeit aller zuständigen Behörden.


Inzwischen sind keine Hunde mehr in diesem Elendsbetrieb. Erst unter dem ständigen Anzeigendruck, dem Einsatz von Medien und vielen privaten Aktionen ist endlich der deutsche Tierschutzbund dort auch tätig geworden. Viele Doggen wurden von einzelnen Tierheimen aufgenommen. (10/99).


Und dann kamen die Rückmeldungen von den Menschen, die einen dieser verstörten und geschundenen Doggen zu sich genommen haben. Besondere Menschen mit einem hohen Maß an Verantwortungsbereitschaft, an Geduld und Zuneigung zu diesen Hunden. Jede Woche trafen neue Berichte bei mir ein:


Nach Wochen des Verkriechens bewegt sich ANGIE (Runa) jetzt manchmal frei im Raum, FLAVIA lässt sich nach Monaten erstmals von einem vertrauten Menschen anfassen, ELSA geht mehr als 10 Schritte hintereinander aufrecht, statt immer nur auf dem Boden zu kriechen, MIMI beginnt ihre Umgebung neugierig zu erkunden, sie fängt an zu spielen und Löcher zu buddeln.


Alle diese Hündinnen suchen jetzt innigen Körperkontakt zu ihren Menschen, sie kuscheln und schmusen in einem ungeheuren Nachholbedarf. Und dennoch sind diese Hunde durch ihre schwer traumatisierenden Lebensbedingungen gezeichnet, es bleibt eine leicht zu aktivierende Urangst, ihren Menschen und das Zuhause zu verlieren, das macht sie so störbar und verletzlich und so unendlich liebenswert.


Es müsste mehr von solchen Menschen geben (nicht nur für unsere Hunde), die so viel Geduld und Mühe einsetzen, dann aber überreich belohnt werden.


Für mich stehen hinter diesen Berichten immer noch die Bilder, die ich nie mehr ablegen kann:


CARLO, der nicht einmal stehen konnte und in das Auto getragen werden musste, seine blutunterlaufenen Augen, seine Liegeschwielen und blutig zerkratzen Hautbereiche, seine wochenlang anhaltende Übererregtheit. Er sprang nur hin und her, fand selbst beim Streicheln, das er zuließ, keine Ruhe. Schon wenige Stunden nach der Kastrationsnarkose begann er wieder seine Matratze zu zerfressen. Bei der Kastration wurden auch seine Augen (starkes Entropium) operiert.


 


Und dann kam Christa, sie hatte von unserer Doggen-Nothilfe gehört, unsere Berichte gelesen, und dann (so habe ich später erfahren) zu ihrem Mann gesagt: „Jürgen, da müssen wir hin und den Carlo holen“ (sie hatte zuhause bereits 3 Doggenhündinnen). Carlo trug noch den Trichter, ca. 5 Tage nach der Kastration und Augenoperation, die Fäden waren noch am Auge sichtbar, er konnte erstmals seine Augen ganz aufmachen. Wichtig war für Christa nicht Carlos schiefe Schädeldecke (Folge einer schweren Schlagverletzung als Welpe) und die immer noch zerkratzte und zerbissene Haut, sondern „seine wunderschönen Rehaugen“. Ich werde die Verwandlung dieses Hundes nie vergessen: er, immer wild und ruhelos, hielt seinen Kopf in Christas Händen und wurde ganz sanft und weich, in diesen Minuten geschah das, was wir, die wir mit unseren Hunden zusammenleben, alle kennen und was so wenig verwortbar und belegbar ist: Der Beginn einer Beziehung, die für mich zu den intensivsten emotionalen Bindungen dieser Erde gehört: eine Hunde-Mensch-Beziehung.


 


Wochen zuvor hatte Carlo zusammen mit AIKA (beide erfüllt von dem Bedürfnis – fast sollte ich sagen: Gier nach Anerkennung, Zuwendung und Sicherheit von einem Menschen, ganz allein und ausschließlich), sich auf eine ganz untergeordnete und verängstigt Hündin Flavia (auch eine Bohling-Hündin) gestürzt und diese gebissen. Aika war einfach durch lautes Schreien zu verjagen, aber ganz anders Carlo, er hatte sich in die Hündin verbissen und sein Kiefer musste mit einer Stange aufgebrochen werden. Die Verletzungen Flavias waren nicht schwer, aber für die ohnehin verängstigte Hündin ein Schock, an dem sie lange trug. Bei mir machte sich zunächst Entsetzen breit: ein junger Rüde greift eine gänzlich verschüchterte Hündin an und verbeißt sich in diese. Alle befragten Hundeexperten rieten dazu, den Carlo einzuschläfern. Doch dann begann ich das Geschehen und die psychische Gesamtsituation dieses Hundes zu rekonstruieren.


Carlo hatte sein ganzes bisheriges kurzes Leben (ca. 12 Monate) in dem Käfig der sogenannten „Rotaugen“ bei Bohling verbracht. Wenige Quadratmeter Dreck und Schlamm, ständige Beißereien unter den verzweifelten Hunden. Nur der, der sich durchsetzen konnte, bekam etwas von dem wenigen Futter, alle Regeln eines sozialen Hundekodex mussten außer Kraft gesetzt werden. Und dann plötzlich ist diese Qual zuende, es gibt genügend Futter und etwas Auslauf und einen weichen Schlafplatz. Und es gibt Menschen, die mit ihm reden, ihn streicheln und Anteil an ihm nehmen. Aber auch die anderen geschundenen Hunde suchen gierig nach dieser Zuwendung, und diese rasende Eifersucht wird bei Aika und Carlo übermächtig, denn Flavia hatte zu dem Zeitpunkt des Geschehens zwei Frauen als „Patentanten“, und diese besuchten Flavia und dann schlugen Aika und Carlo zu. Ich denke, Carlo hat in seinem bisherigen Leben gelernt, sein „Opfer“ nicht vorschnell loszulassen, vielleicht war er auch noch zu sehr ein Hundekind (wenn auch groß und stark) und viel zu wenig ein Rüde, um die übliche Rücksicht auf eine Hündin zu nehmen. Die Idee,  Carlo zu töten, habe ich verworfen. Heute schäme ich mich fast, diesen Gedanken ernsthaft verfolgt zu haben. Aber mir ist eine wichtige Erkenntnis daraus geworden: Ein Charakteristikum der Hunde wie aller Säugetiere, einschließlich des Menschen, besteht darin, dass ihr „Wesen“ immer das Ergebnis eines komplizierten Wechselwirkungsprozesses von genetischer Disposition (teilweise auch biologische Grundausstattung) und lebensgeschichtlichen Erfahrungen sowie der Interpretation aktueller Gegebenheiten darstellt. Carlo hat in schwer traumatisierenden Bedingungen leben müssen und sein Gehirn hat unter diesen pathologischen Bedingungen anfangen müssen, pathologisch zu funktionieren (im Sinne von LURIA), was unweigerlich auf der Verhaltensebene zu schweren Abweichungen führte.


 


Wir als Menschen sind die Schuldigen.


 


 Vielleicht sind Doggen in ihrer Sensibilität und Sehnsucht nach Menschenkontakt noch störbarer als viele andere Hunde und verhalten sich dann in ihrer Verzweiflung  scheinbar aggressiv, was in einem anderen Lebensumfeld, das ihnen Sicherheit und Zuwendung im Schutz eines verlässlichen Mensch bietet, sich nie wiederholen wird.“


Eva Gorski / Doggen-Nothilfe


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